Selbstverantwortung ist also eine Ermächtigung
aus sich selbst heraus. Selbstverantwortung ist dabei die „bestverteilte
Sache der Welt", man muss allerdings die organisationalen
Bedingungen so schaffen, dass ihre Potentiale auch bei allen Beteiligten
zur Entfaltung kommen.
Hier liegt auch der Unterschied zwischen einem Vorgesetzten und
einer Führungskraft: Ein Vorgesetzter "sitzt" qua
Organigramm an seiner Stelle, um aber auch Führungskraft zu
sein, müssen seine Mitarbeiter ihn dazu innerlich gewählt,
sich für ihn entschieden haben.
Entscheidend für die Produktivität einer Gruppe, eines
Unternehmens sind also die Stellungen der handelnden Personen zueinander,
ihre losen und engen Kopplungen im Gefüge.
Sich trauen und zutrauen
Führung zur Selbstverantwortung bedeutet für die Leitungsebenen,
den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern neue Entwicklungsmöglichkeiten
zuzugestehen, Fehler als Chancen zum Lernen zuzulassen und schon
durch die innere Einstellung dem Gegenüber mehr zuzutrauen.
Dazu gehört allerdings auch Loslassen, Vertrauen in den
anderen entwickeln, Einfluss gezielt aufgeben. Führung heißt
dann in erster Linie, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich
die Fähigkeiten der Mitarbeiter breiter entfalten können.
Wie häufig werden z.B. Menschen, die sich privat in Eigenarbeit
ein Haus bauen, im Unternehmen daran gehindert (im wörtlichen
und übertragenen Sinn) auch nur eine Sicherung auszuwechseln,
weil sie dafür "keine Berechtigung" haben !
So werden mögliche Leistungspotentiale durch Denkweisen
und Strukturen der Entscheider oft an ihrer vollen Entfaltung
zugunsten des Unternehmens und der Entwicklung des einzelnen
blockiert.
Führung ist Konversation, ist Beziehung
Alles
im Leben ist eine Konversation, ist Austausch von Energien, ist
Abgleich von „inneren Landkarten". Die Welt „ist" nicht,
jeder interpretiert sie nur auf seine Weise, aus seiner Sicht.
Entscheidend ist die Fähigkeit, Konversationen mit anderen
zielgerichtet in Gang zu setzen und dabei auch die eigene „Landkarte" nur
als die eigene Konstruktion von Realität einzuordnen.
Aufgabe der Führungskraft ist es daher, als Gesprächspartner
Mitarbeiter in die Verantwortung zu bringen. Dazu gehört
einerseits, diese bei den erforderlichen Suchprozessen zu unterstützen
und Diskurse dazu in Gang zu setzen, andererseits aber auch das
konsequente Verweigern von Rückdelegationen! Wer sich für
die Verantwortung zu einer Aufgabe entschieden hat, steht auch
für die Entscheidungen dazu gerade. Rückdelegation
als Absicherungsinstanz untergräbt diese Vorgehensweise
und ist häufig für die endlosen Abstimmungsgespräche
verantwortlich. Führungskräfte, die auch nur Teile
ihrer Zeit damit verbringen, Vorlagen von Mitarbeitern nochmals
durchzuarbeiten, entlassen diese aus der Herausforderung der
Selbstverantwortung und sind eben nur Vorgesetzte, die sich über
die geringe Produktivität der eigenen Person und ihres Bereiches
wundern.
Führen nach Pygmalion
In
Führungs-/Beziehungsverhältnissen hilft das "Pygmalion-Prinzip" neue
Leistungs-Potentiale zu erschliessen, indem man bisher nicht
für möglich gehaltene Entwicklungen in andere "hineinzuprojieziert".
Häufig entwickelt sich dann auch die betreffende Person
in die gewünschte Richtung und ändert sein Verhalten
entsprechend. Gerade so, wie der kretische König Pygmalion
durch Projektion von eigenen Wünschen eine weibliche Marmorstatue
zum Leben erweckte (oder wie G.B. Shaw in seinem gleichnamigen
Drama Entwicklungen beschreibt),ist es Aufgabe von Führungskräften,
gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern neue - bisher nicht für
möglich gehaltene - Entwicklungen anzusteuern und so noch
verborgene Potentiale zur Entfaltung zu bringen - zu beider Nutzen.
Amerikanische Untersuchungen mit Nachwuchs-Führungskräften
belegen übrigens diesen - auf dem archaischen Pygmalion-Muster
beruhenden - Führungsansatz sehr deutlich mit konkreten
Zahlen: Wenn erfolgreiche Manager neue, hohe Erwartungen an ihre
Mitarbeiter haben, halten diese sie auch für realistisch
und strengen sich so intensiv an, dass sie die Erwartungen erfüllen!
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